








Die Aufstockung am Bläsiring 15b hatte zum Ziel, ein denkmalgeschütztes Ensemble behutsam nachzuverdichten, ohne die gewerbliche Erdgeschossnutzung des Innenhofs zu verlieren. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde ein Konzept realisiert, das den Erhalt der gewerblichen Nutzung zur Bedingung machte, um der Verdrängung durch Wohnraum entgegenzuwirken. Inmitten der grünen Hofsituation wurde der Bestand durch eine Aufstockung in Holzbauweise sowie eine filigrane Balkonschicht ergänzt. Da wir sämtliche Holzbauarbeiten während der elfmonatigen Bauzeit selbst ausführten, entstanden durch diese Doppelrolle als Planer und Handwerker zahlreiche präzise Details direkt am Bau. Die kontinuierliche Präsenz vor Ort ermöglichte zudem eine sehr nahe Zusammenarbeit und einen direkten Austausch mit den anderen Gewerken.
Béla Dalcher, David Moser, Matthias Müller Klug, Alessio De Gottardi
mit Heini Dalcher, Samuel Rudin (Opus Holzbau), Vital Feah, Otto De Vylder, Kilian Brumm, Jan Stricker
Landschaftsarchitektur: Saum GmbH
Bauingenieur: Schmidt+Partner Bauingenieure AG
Brandschutz: Winter + Walther AG
Bauphysik: Kuster + Partner AG
Unternehmer: Moritz Gossenreiter, Bloch Bau GmbH, Umbra Pro GmbH, Melo Baumanagement GmbH, Solarmaa GmbH, Billi GmbH, Plan B Boden GmbH, Charles Pellet Glasbau, Mauro Talmani Schreiner, Elektro Löwe GmbH, Mehmetaj Malergeschäft GmbH, Jürg Dalcher, Fenster Schaub Schreinerei GmbH, MK Spenglerei GmbH, Stoica Sanitär- und Heizungsfirma, Zoe Rai Keramik
Fotografie: Geraldine Recker, Alessio De Gottardi










Für die Ausstellung «Was War Werden Könnte: Experimente zwischen Denkmalpflege und Architektur» (05.04.–14.09.2025) haben wir eine räumliche Skulptur geschaffen, die Besucher:innen zu informellem Austausch und Dialog über die Zukunft der Denkmalpflege einlädt. Die Installation versteht sich als Referenz auf die Kunsthalle-Bar, die sich während fast zwei Jahrzehnten (1984–2003) am selben Ort befand.
Ein zentral platzierter Bartresen, in den mehrere Bücher zu den Themen der Ausstellung integriert sind, reflektiert sowohl die Geschichte des Raumes als auch dessen materielle Vergangenheit: Er ist aus Bauteilen früherer Ausstellungsarchitekturen gefertigt. Die Hocker werden durch Dachlatten und Aluminiumprofile verlängert, während der Tresen selbst aus übrig gebliebenen Schreinerplatten des S AM besteht. Die Unterkonstruktion setzt sich aus Plexiglashauben zusammen, die ursprünglich als Abdeckungen für frühere Ausstellungstische dienten und für diese Installation wiederverwendet sowie um 90° gedreht wurden.
Thierry Vuattoux, Lian Liana Stähelin, David Moser, Luca Bazelli, Béla Dalcher, Alessio De Gottardi, Matthias Müller Klug
für S AM Schweizerisches Architekturmuseum
Fotografie: Philipp Bosshart, Pierre Marmy











Der Umbau der Enothek ist das Herzstück einer Transformation, bei der die räumliche Disposition auf die neuen Herausforderungen des Weinguts angepasst wird. Die 1950 gegründete Weinkellerei durchlief eine Phase der schrittweisen Expansion, in der sie je nach Bedarf und ohne umfassende langfristige Planung um zusätzliche Einrichtungen erweitert wurde. Die Umstrukturierung ermöglicht es, das Lager auf einer Ebene zu konzentrieren, was die betriebliche Effizienz verbessert, und den Weinkeller in den Innenhof zu verlegen, um den Garten aufzuwerten und einen grosszügigen Aussenbereich zu schaffen.
Die Nähe zu den Menschen, dem Projekt und der Umgebung hat es uns ermöglicht, genauer hinzuschauen, den Ort zu erleben. Wir lernten die lokalen Handwerker kennen und arbeiteten mit ihnen zusammen. Wir waren kein Architekturbüro als externes Organ, sondern ein integraler Teil des Alltags auf der Baustelle. So liessen sich untypische Arbeitsabläufe etablieren und wir konnten mit lokalen Materialien arbeiten: Sand der Gletschersandgrube, Sumpfkalk und Hanfbausteine aus der Umgebung. Praktisch den gesamten Abbruch haben wir wiederverwendet. Aus den alten Zwischenböden und der Einrichtung der Weinhandlung entstanden neue Regale, Wände und Tische. Wir behaupten, dass die Geschichte in den Materialien spürbar ist und Oberflächen, die Patina sowie die Spuren der Handarbeit etwas ausstrahlen, was vielleicht aus der Mode gekommen ist, aber jeden Grund hat, wieder zurückzukehren.
Alessio De Gottardi, Béla Dalcher, David Moser, Dzulija Jakimovska, Lian Liana Stähelin e Matthias Müller Klug
mit Dario Bianchi, Roger Messerli, Grace Prince, Luca Locatelli
für Chiericati Vini SA
Bauphysik: Jordan Kuoto
Lichtplanung: Lucespazio
Beratung Nachhaltigkeit: Trebogea
Bauunternehmer: Nembrini & Co. SA, Color Project S.R.L, Molteni & Co. SA, Tarcisio Rossi Sagl, Crotta Elia Sagl, Munari SA, Conti falegnameria
Fotografie: Alessio De Gottardi









Das Store Design für Lavie materialisiert sich als Raumfigur, die Ausstellung, Produktlagerung und Büronutzung räumlich miteinander verbindet. Bewegliche und verformbare Elemente im Regalsystem ermöglichen eine flexible Anpassung des Produktlayouts – mit jeder neuen Kollektion kann sich die Raumfigur entsprechend transformieren. Auf der Rückseite sind Tische als integrierte Arbeitsplätze angeordnet. Die Installation setzt sich aus verschiedenen industriell hergestellten Lager- und Bauteilsystemen zusammen, wie sie auch in den Lagerhäusern von Lavie zum Einsatz kommen und bilden einen bewussten Kontrast zu den farbenfrohen und flauschigen Textilien von Lavie. Sämtliche Bauteile sind wiederverwendet.
David Moser, Lian Liana Stähelin, Otto De Vylder, Matthias Müller Klug, Thierry Vuattoux, Alessio De Gottardi
für lavie
Fotografie: Luca Bazelli, Nicolas Duc









Seit Anfang 2023 arbeiten zahlreiche Kunst- und Kulturschaffende im denkmalgeschützten Zeughaus 4 auf dem Zürcher Kasernenareal. Mit dem Wegzug der Kantonspolizei wurde das Areal öffentlich zugänglich und wird bis 2026 zwischengenutzt. Von Januar–Mai 2023 schuf das Architekturkollektiv squadra im Obergeschoss des Zeughauses Arbeitsräume für den Verein Maison Shift. Die Räume dienen als Austausch- und Begegnungsort für Modeschaffende, die den Wandel zu einer nachhaltigen Textilbranche antreiben. Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist in den von den Architekt:innen im Selbstbau ausgeführten Planungs- und Bauprozess eingeflossen, der auch die Flexibilität und die konsequente Wiederverwendung von Bauteilen ermöglicht hat. Materialien, die bereits vor Ort vorhanden waren, wurden neu eingesetzt: Die Platten der alten Schiessanlage dienen als Regalböden und Theken. Ehemalige Pneu-Lagerregale wurden zu Wänden und Möbeln. Sämtliche Bauteile können wieder ausgebaut und weitergegeben werden.
Alessio De Gottardi, David Moser, Lian Liana Stähelin, Luca Bazelli and Thierry Vuattoux
with Andrea De Gottardi, Ella Eßlinger, Grace Oberholzer, Jasper Engelhardt, Julian Märkel, Norma Clematide, Romain Iff, Sophie Keel
for Maison Shift
Fotografie: Alessio De Gottardi, David Schönen, Luca Bazelli











Der Gebäudekomplex des Château de Dompierre verlor seine Funktion als landwirtschaftliches Siedlung im XX Jahrhundert. Das Projekt besteht aus gezielten Eingriffen in die bestehenden Gebäude und ihre Umgebung. Ziel ist es das ökologische Gleichgewicht, das auf diesem Grundstück herrschte, wiederherstellen und die Anlage durch verschiedene, sich ergänzende Nutzungen wiederzubeleben: die Ausübung der Permakultur, die Schaffung eines Raumes des Austausch, in dem Konferenzen und Workshops im Natur organisiert werden können, sowie Musik- und Kunstresidenzen.
Alessio De Gottardi und A.A Architecte Associe
mit Dzujlia Jakimovska, Vasco Medici, Magdalena Talarczyk, Matteo Motorselli
für Château de Dompierre
Permakulturdesign: Andrej Steinauer und Sereina Stähli









Das Landhaus in Châtillon wurde im 18. Jahrhundert als erstes Gebäude des Orts gebaut. Es verkörpert die traditionelle ländliche Architektur seiner Zeit und ist typisch für die Region. Fassade und Dach sind im Inventar des Denkmalschutz Kanton Fribourg. Bis in die Siebzigerjahre wurde es von einer alten Dame mit ihren Ziegen bewohnt. Diese wärmten vom Keller aus das Haus auf. Der Wohnraum bestand aus einer Küche, einem Wohnzimmer und einem Schlafzimmer. Das Dachgeschoss mit seinem Krüppelwalmdach diente als Heulager und Trocknungsraum und war mit einer Treppe von aussen erschlossen. Seither wird das Haus als Wochenenddomizil der Eigentümerfamilie aus Basel genutzt. Der Innenausbau sollte das Haus wohnlicher machen, den Dachstuhl erschliessen und das Gebäude langfristig erhalten. Die Holzfassade im Dachgeschoss ist als Fensterladen demontierbar. Die äussere Erscheinung des Gebäudes wird so gänzlich beibehalten. Für den Umbau wurde mit traditionellen Materialen des Ortes gearbeitet.
Matthias Müller Klug
mit Lucas Vidensky, Alessio de Gottardi











Der Umbau war ein Balanceakt zwischen einer geteilten Vision und der Notwendigkeit, immer wieder auf die vorgefundene Substanz zu reagieren. Gemeinsam mit lokalen Handwerkern, vielen Freunden und Studenten, die praktische Bauerfahrung sammeln wollten, bauten wir die Casa Giuseppina über vier Sommer um.
Die vielen beteiligten Menschen beleben nun das Haus. Wir sind im Dialog, wie mit weiteren benachbarten verfallenen Häusern umgegangen werden kann und auf welche Weise wir einen Beitrag zum Erhalt der Siedlung leisten können.
Lian Liana Stähelin, Isabel Lehn-Blazejczak und Florian Stieger
mit Ljubica Arsic, Caspar Bultmann, Jonas Butscher, Gülsah Canli, Olivia Leah Eckell, Jasper Engelhardt, Carlo Erzinger, Valeria Falletta, Daniel Fuchs, Kathrin Füglister, Cindy Gloggner, Agustin Jacky, Sarah Jacky, Jonas Jakob, Radovan Jovicic, Nora Klinger, Cédric Moser, David Moser, Tizian Naterop, Anna Schudel, Moritz Schudel, Marie Seeger, Sarah Silbernagel, Jonas Stähelin, Peter Stieger, Michele Tortelli and Raphael Ziltener.
Fotografie: Dario Bosio, Pierre Marmy











Das Dorf Mosogno di Sotto liegt fernab der Strasse und zählt mehr Häuser als Einwohner. Losgelöst vom mittelalterlichen Dorfkern steht die ehemalige Mühle: die ‹Casetta›. Zusammen mit vielen Freunden und lokalen Handwerkern wurden die verlassenen Gemäuer zu einem einfachen Wohnhaus umgebaut, in dem man mit den Jahreszeiten lebt. Der Bauprozess war ein Balanceakt. Sämtliche Baumaterialien mussten zu Fuss hinuntergetragen oder mit dem Helikopter eingeflogen werden. Die ständige Präsenz vor Ort erlaubte es, laufend Anpassungen an die vorgefundene Bausubstanz vorzunehmen und nicht dringend zu ersetzenden Bauteile in den Umbau einzubeziehen. Ins Dorf gebracht wurde nur das Notwendigste.
Luca Bazelli, Lian Liana Stähelin
mit David Moser, Grace Oberholzer, Alessio De Gottardi, Jasper Engelhardt , Kaspar Looser, Béla Dalcher, Matthias Müller Klug, Cédric Moser, Sami Zattal, Jakub Dworak, Jonathan Egli, Florian Stieger und Isabel Lehn-Blazejczak
Fotografie: Dario Bosio, Pierre Marmy






Das Kulturlokal Schwarzer Peter ist ein nichtkommerzieller, inklusiver Kreativ- und Begegnungsort vom Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter auf dem Lysbüchelareal in Basel. Das Kulturlokal wird gemeinsam mit den BesucherInnen vom Schwarzen Peter und ehrenamtlich engagierten Kunst- und Musikschaffenden ganzjährlich partizipativ betrieben. Es werden kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen oder Konzerte und Workshops angeboten. Das gesamte Angebot kann vom Klientel der Gassenarbeit und allen Interessierten kostenlos genutzt werden. Das Kulturlokal ist als temporärer Modulbau aus Holz- und Schiffscontainern konzipiert. Die Elemente sind einfach demontierbar und für die Grösse von Lastwagen dimensioniert, damit der Bau in Zukunft einfach auf andere Brachen verschoben werden kann. Die Fenster und Türen stammen aus Abrissgebäuden und dank wiederverwendbaren Schraubenfundamenten fällt kein Bauschutt an.
Matthias Müller Klug und Lian Liana Stähelin
in Zusammenarbeit mit Vesna Petrovic, Kevin Peterhans, Willi Moch, Naima Heim
für den Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter, Stefanie Twerdy






Unser Projekt besticht weder durch eine ausgefallene Konstruktion noch durch extravagante Materialien, es versucht vielmehr die Empathie zu vermitteln, welche der lange Aufenthalt in einer völlig fremden Gegend in uns ausgelöst hat. Wir haben dort nicht viele Menschen angetroffen, aber diese Begegnungen waren von großer Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit geprägt. Das hat uns zu diesem zurückhaltenden, aber respektvollen Entwurf geführt, der versucht, lokale Tradition und Bedürfnisse zu verbinden. Wir haben uns umgesehen und überlegt, was wirklich gebraucht wird und welche Materialien verfügbar sind. Das Leder stammt von einem verunglückten Schafstransporter.
Durch den Kontakt mit der Natur, den Landschaften und ihren Bewohnern wollen wir die Menschen dazu anregen, über die komplexen sozialen und wirtschaftlichen Konflikte nachzudenken, die die Lebenswelt des Mapuche-Tehuelche Volks (Mapuche - Gününa Këna) bis heute prägen. Es gibt keine Zukunft in der Architektur ohne eine versöhnliche Aufarbeitung der Konflikte zwischen Völkern.
Matthias Müller Klug und Alessio de Gottardi
in Zusammenarbeit mit Campo Abierto
longlisted dezeen awards 2020
selection Milano Design Film Festival 2021